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Santa Maria in Valle visitate l'interno
Santa Maria in Valle Porclaneta
Auf der Straße bleibend, von der der Wanderweg auf den Monte Velino abzweigt, triift der interessierte Besucher nach wenigen hundert Metern auf 1006 Metern Seehöhe auf die Kirche Santa Maria in Valle Porclaneta. Beim Betrachten der Fassade fällt auf, wie der Giebelwinkel und die Dachform als Ganzes die Silhouette des Monte Velino nachahmen, ein Hinweis darauf, wie die alten Baumeister die Umgebung der von ihnen errichteten Bauwerke in ihre Planungen einzubeziehen gewohnt waren.
Die Kirche stammt aus dem 11. Jahrhundert. Die Art der Inschriften auf den Säulenkapitellen - typisch für die von den Benediktinern beeinflusste Marsica - lässt zwar vermuten, dass die Kirche schon aus dem Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts stammt, jedoch wurde die Kirche erst 1048 erstmals urkundlich erwähnt. Die diesbezügliche Urkunde bestätigt das Geschenk der Burg von Rosciolo samt dazugehörigen Liegenschaften an das Kloster Santa Maria.
Es handelt sich um eine dreischiffige Kirche mit einer halbrunden Mittelapsis und einem überdachten Eingang (Nartex oder Pronaos). Wer von außen kommt, betritt den Kirchenvorplatz zunächst durch ein Tor. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf den ehemals mit der Kirche verbundenen Kreuzgang.
Das Kircheninnere weist drei aufeinanderfolgene Baustile auf, vorromanisch, romanisch und byzantinisch. Als erstes fallen dem Betrachter die Säulenkapitelle mit ihren steinernen Reliefs auf, die ein wenig grob gearbeitet, doch um nichts weniger faszinierend sind. Sie stellen fremdartige Tiere, altertümliche Ornamente, wie z.B. die Spirale, andere geometrische Figuren sowie auch stilisierte Pflanzenornamente und möglicherweise eine Weihnachtszene.
Auf der linken Seite befindet sich die Kanzel, angebaut an eine Säule, von der aus der Priester predigte bzw. liturgische Stücke las. Sie stammt aus dem Jahr 1150 und ist ein Werk von Robertus und Nicodemus, wie eine Inschrift bezeugt. Bemerkenswert sind die Schönheit und Einzigartigkeit der Bildhauerarbeiten von hohem künstlerischem Wert. Sie stellen Jona und den Wal dar, eine tanzende Frauenfigur vor einem auf einem Thron sitzenden Mann, die Salome sein könnte, sowie einen Mann, der gerade mit einer Keule ein wildes Tier erschlägt (Samson oder auch David).
Doch das Kunstwerk, das den Betrachter am meisten in seinen Bann zieht, ist die etwas jüngere Ikonostase in der Mitte der Kirche. Es handelt sich um jene Wand, auf der nach ostkirchlichem Brauch die Ikonen befestigt waren und die dazu dient, den dem Klerus vorbehaltenen inneren Altarraum von dem der Gemeinde zugänglichen Teil der Kirche zu trennen. Die Ikonostase ist in ihrer Art einzigartig und besteht aus einem unteren Teil (plutei) aus Stein, in Steinmetzarbeit mit Motiven östlicher Provenienz (Greifvogel, Löwe, Drache) ausgestattet; auf diesem unteren Teil sind vier zierliche Säulen aufgesetzt, die sehr fein gearbeitet sind und einer aus Holz angefertigten, nur wenig beschädigten Querwand von unten her Halt geben, die es in dieser Art sonst nirgends gibt. Wahrscheinlich wurde sie im Jahr 1240 angefertigt, hundert Jahre nach dem Bau der Kirche, und das dazu verwendete Holz ist augenscheinlich Eiche. Die endgültige wissenschaftliche Untersuchung darüber steht jedoch noch aus. Das ganz Werk ist ein lebendiger Zeuge für den feinen, bis ins Detail gehenden Kunstsinn seiner Erbauer; das Auge wandert von ineinander verflochtenen Girlanden aus Blüten und Blättern zu den aneinandergereihten Bögen, zu den Tieren, zu den Stern- und Rosenmotiven und zu den Engeln.
Noch ist die Besichtigung nicht vorbei. Auf dem Altar prangt das Ziborium, auch Tabernakel, mit einem steinernen Baldachin im byzantinischen Stil, das überraschenderweise an persische Kunstwerke denken lässt. Die Art der Steinmetzkunst lässt sich zutreffend mit Stick- und Spitzenkunst vergleichen, eine Technik, die durch Tiefeneffekte im Hintergrund das Ornament im Vordergrund stärker hervortreten lässt. Zahlreiche feinverschlungene Arabesken dienen als Schmuck, und das Ziborium ist auch zur selben Zeit, sogar von den selben Meistern gearbeitet wie die Kanzel, von Robertus und Nicodemus.
Die Fresken, ebenso interessant, stammen aus späterer Zeit, aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Sie schmücken die Säulen und stellen Heiligengestalten dar. Über dem Eingangstor befindet sich ein Fresko der Madonna mit dem Kind.
Es ist interessant zu lesen, wie eine mutige Reisende aus England am Beginn des 20. Jahrhunderts, Anne MacDonnell, in ihrem 1908 erschienen Buch (in der italienischen Übersetzung:"Negli Abruzzi") die Gegend und die Kirche beschreibt, bei der sie nach einer langen Wanderung angekommen ist, die sie jedoch versperrt vorgefunden hat und auch nirgends den Schlüssel auftreiben konnte (im folgenden aus der italienischen Übersetzung wiedergegeben):


"Es ist sehr leicht möglich, dass die Kirche S. Maria della Valle der Aufmerksamkeit des Reisenden entgeht, weil sie sehr weit abgelegen von der Hauptstraße steht, die anderswohin führt. Viele staunen uns offenen Auges an, als wir uns weigern, einen Rosswagen zu nehmen,um nach Rosciolo zu gelangen - doch es ist herrlich, zu Fuß über die golden Felder hinaufzusteigen; die Luft ist erfüllt von einem strahlenden Licht und die großartige Aussicht auf das Valle Porclaneta lockt uns voran. Die Straße zum Heiligtum führt unterhalb der Ansiedlung vorbei, ohne sie zu durchqueren. Rosciolo ist der Ort, von dem aus die Bergsteigerzu nachtschlafender Zeit aufbrechen, um den Monte Velino zu besteigen. Für die Bevölkerung der Umgebung ist der Monte Velino ein Freund; auf seinen Hängen sammeln sie ihre Heilkräuter und sie erheben den Blick zu seinem Gipfel, um sich das Wetter vorauszusagen.
Von Rosciolo an steigt die Straße steil an, doch nicht ohne Schatten, und als sie das andere Ende des Tals schon fast erreichtzu haben scheint, da steht unsere Santa Maria auf einmal vor uns, die unterhalb eines bewaldeten Hügels steht, sozusagen am Ende der Welt, in völliger Einsamkeit. Es stehen hier nicht mehr als zwei Häuser, hier, wo sich einstmals die blühende Ortschaft Villa Maggiore befunden hat, die Karl von Anjou zerstört haben soll, weil sie Konradin dem letzten Staufer Hilfe angeboten hat.
Was von der Kirche noch steht, scheint der Aufmerksamkeit nicht wert zu sein: ein Bauwerk, das wie eine Scheune aussieht, doch mit einer eleganten Apsis und einem Fenster nach Süden. Der Windfang steht offen, und es schaut aus, als würde er zeitweise als Unterstand für das Vieh dienen. Dieses "Nationaldenkmal" ist zweifellos eine Zufluchtsstätte von wirklichem Nutzen.
Über dem Eingang ist ein hübsches Fresko mit dem Abbild der Madonna flankiert von zwei Engeln, das vom Anfang des 15. Jahrhunderts stammt. Ein englischer Reisender, der einmal hier vobeikam, vermeinend, dass die Kirche in diesem einsamen Landstrich nicht wertgeschätzt würde, bot sich an, sie käuflich zu erwerben; er machte ein sehr hohes Angebot, und wunderte sich nicht wenig, als er damit nichts erreichte. Es ist richtig, sich über den Erhaltungszustand der Kirche Sorgen zu machen, die, wenn sie auch von den Hirten mit Respekt behandelt wird, doch von ihnen benutzt wird, um Kühe und Maultiere unterhalb eines solchen Freskos unterzubringen.
Das Tor zur Kirche ist versperrt; und die benachbarten Häusersind leer."


Um heute die Kirche zu besichtigen, gilt es hingegen, sich beim Küster in Rosciolo voranzumelden (tel. 366 5902125) er kommt, um die Kirche aufzusperren, und nimmt gern ein Trinkgeld dafür entgegen.



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